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Resilient in den Herbst: 5 stille Stressfallen im Führungsalltag

1. September 2026
Die Sommerferien sind vorbei. Die Kalender füllen sich, verschobene Projekte nehmen Fahrt auf und die Ziele für das letzte Quartal rücken näher.


Gerade im September entsteht in vielen KMU eine besondere Dynamik: Man möchte rasch wieder produktiv werden, Versäumtes aufholen und vor dem Jahresende noch möglichst viel erreichen.

Führungspersonen wechseln dabei laufend zwischen operativen Aufgaben, Personalfragen, Kundenanliegen und strategischen Entscheidungen.

Nach aussen sieht das nach Engagement und Leistungsfähigkeit aus. Innerlich entsteht jedoch schnell ein anderer Zustand:

Man funktioniert, reagiert und löst – aber gestaltet immer weniger bewusst.

Resilienz bedeutet nicht, jeden Druck auszuhalten oder jederzeit belastbar zu sein. Resilienz zeigt sich darin, Belastungen früh wahrzunehmen und rechtzeitig gegenzusteuern.

Oft sind es nicht die grossen Krisen, die uns aus dem Gleichgewicht bringen. Es sind die kleinen, unscheinbaren Gewohnheiten des Führungsalltags.

 

🔎 Stressfalle 1: Multitasking fühlt sich produktiv an

Während einer Videokonferenz kurz E-Mails beantworten. Im Mitarbeitendengespräch bereits an den nächsten Termin denken. Zwischen zwei Telefonaten eine Präsentation korrigieren.

Multitasking vermittelt das Gefühl, effizient zu sein. Tatsächlich wechseln wir jedoch ständig zwischen verschiedenen Aufgaben und Themen. Jeder Wechsel kostet Aufmerksamkeit und mentale Energie.

Für Führungspersonen hat dies eine zusätzliche Wirkung: Wer gedanklich nur halb anwesend ist, übersieht Zwischentöne. Gespräche werden unklarer, Entscheidungen oberflächlicher und Fehler wahrscheinlicher.

Mitarbeitende merken zudem schnell, ob ihnen wirklich zugehört wird.

 
📌 Praxisimpuls

Reservieren Sie täglich mindestens zwei Zeitfenster, in denen Sie sich ausschliesslich einer Aufgabe widmen. Schliessen Sie E-Mail und Chatprogramme und legen Sie das Mobiltelefon ausser Sichtweite.

Auch vor einem Gespräch hilft eine bewusste Entscheidung:

«Für die nächsten 20 Minuten bin ich nur hier.»

Fragen Sie sich am Ende des Tages:

  • Wann war ich heute wirklich präsent?
  • Welche Unterbrechungen waren unnötig?
  • Was könnte ich morgen anders gestalten?

 

Präsenz ist keine Frage der verfügbaren Zeit. Sie ist eine bewusste Entscheidung.

 

🔎 Stressfalle 2: Dauererreichbarkeit wird mit Verantwortung verwechselt

Viele Führungspersonen möchten ansprechbar sein. Das ist grundsätzlich wertvoll. Problematisch wird es, wenn aus Ansprechbarkeit permanente Verfügbarkeit wird.

Jede Nachricht scheint dringend. Jede Frage landet direkt bei Ihnen. Selbst am Abend oder am Wochenende bleibt ein Teil Ihrer Aufmerksamkeit beim Unternehmen.

Damit senden Sie unbeabsichtigt zwei Botschaften:

An sich selbst: Ich darf nie vollständig abschalten.
An das Team: Herausforderungen können jederzeit nach oben weitergegeben werden.

Langfristig schwächt dies nicht nur Ihre Erholung, sondern auch die Selbstständigkeit Ihrer Mitarbeitenden.

 
📌 Praxisimpuls

Definieren Sie klar, bei welchen Themen Sie sofort kontaktiert werden möchten und was bis zum nächsten Arbeitstag warten kann.

Ein hilfreicher Satz gegenüber dem Team kann lauten:

«Bei einem echten Notfall ruft mich bitte an. Alles andere besprechen wir während der vereinbarten Zeiten.»

Grenzen zu setzen bedeutet nicht, Menschen allein zu lassen. Klare Grenzen schaffen Orientierung und Verlässlichkeit.

Weitere Impulse finden Sie im Beitrag «Als Führungskraft Grenzen setzen, ohne allen gefallen zu müssen».

 

🔎 Stressfalle 3: Sie übernehmen zu viel, weil es schneller geht

«Bis ich das erklärt habe, erledige ich es lieber selbst.»

Dieser Gedanke ist im KMU-Alltag weit verbreitet. Kurzfristig mag er sogar stimmen. Langfristig entsteht daraus jedoch eine problematische Spirale:

Sie übernehmen immer mehr operative Aufgaben, während Ihre Mitarbeitenden immer weniger Gelegenheit erhalten, Verantwortung zu tragen.

Besonders engagierte Führungspersonen geraten leicht in diese Falle. Sie sehen, was getan werden muss, verfügen über viel Erfahrung und möchten sicherstellen, dass die Qualität stimmt.

Doch wenn jede wichtige Entscheidung, Rückfrage und Kontrolle bei Ihnen landet, werden Sie selbst zum Engpass.

 
📌 Praxisimpuls

Delegieren Sie nicht nur Aufgaben, sondern auch Verantwortung. Klären Sie bei einer Übergabe:

  1. Welches Ergebnis wird erwartet?
  2. Welcher Entscheidungsspielraum besteht?
  3. Wann ist eine Rücksprache sinnvoll?
  4. Woran erkennen beide Seiten, dass die Aufgabe abgeschlossen ist?


Widerstehen Sie anschliessend dem Impuls, jeden Zwischenschritt zu kontrollieren.

Delegation braucht Klarheit – und Vertrauen.

Fragen Sie sich:

  • Welche Aufgabe erledige ich noch aus Gewohnheit?
  • Wer könnte daran wachsen?
  • Was müsste ich erklären, damit die Übergabe gelingt?


Die gezielte Arbeit an Rollen, Verantwortung und Zusammenarbeit kann auch Bestandteil eines individuellen Führungstrainings für Unternehmen sein.

 

🔎 Stressfalle 4: Pausen kommen erst, wenn alles erledigt ist

In einer Führungsfunktion ist die Arbeit selten vollständig erledigt. Sobald ein Projekt abgeschlossen ist, wartet das nächste. Nach dem Gespräch folgt die E-Mail. Nach der Entscheidung beginnt die Umsetzung.

Wer Erholung davon abhängig macht, dass nichts mehr offen ist, wird kaum je bewusst pausieren.

Pausen sind keine Belohnung für erledigte Arbeit. Sie sind eine Voraussetzung für gute Führung.

Dabei geht es nicht zwingend um lange Auszeiten. Oft machen kleine, bewusste Unterbrechungen einen spürbaren Unterschied.

 
📌 Praxisimpuls

Nehmen Sie sich zwischen zwei anspruchsvollen Terminen drei Minuten Zeit. Stehen Sie auf, atmen Sie bewusst und fragen Sie sich:

  • Was lasse ich aus dem vorherigen Gespräch zurück?
  • Was beschäftigt mich noch?
  • Mit welcher Haltung möchte ich in den nächsten Termin gehen?


Solche kurzen Übergänge verhindern, dass Sie Ärger, Hektik oder Unsicherheit unbewusst in das nächste Gespräch mitnehmen.

Drei bewusste Minuten können wertvoller sein als dreissig unkonzentrierte.

 

🔎 Stressfalle 5: Der eigene Anspruch kennt keine Erholung

Führungspersonen stellen häufig hohe Ansprüche an sich. Sie möchten gute Entscheidungen treffen, Orientierung geben und auch in schwierigen Situationen souverän bleiben.

Dieser Anspruch kann motivieren. Er kann jedoch auch zu einem inneren Antreiber werden:

«Ich darf keine Unsicherheit zeigen.»
«Ich muss dafür eine Lösung haben.»
«Als Führungskraft sollte ich damit umgehen können.»

Wer solchen Gedanken dauerhaft folgt, übergeht leicht die eigenen Grenzen. Schwierigkeiten werden zu lange allein getragen, Gespräche aufgeschoben und Unsicherheiten versteckt.

Doch resiliente Führung bedeutet nicht, immer sicher zu wirken.

Resiliente Führung bedeutet, Unsicherheit wahrzunehmen und trotzdem bewusst zu handeln.

 
📌 Praxisimpuls

Sie müssen nicht auf jede Frage sofort eine Antwort haben. Ein klarer Satz wirkt oft glaubwürdiger als eine vorschnelle Lösung:

«Ich habe darauf im Moment noch keine abschliessende Antwort. Ich kläre die offenen Punkte und melde mich bis morgen.»

Auch schwierige Gespräche werden nicht leichter, wenn sie innerlich immer wieder vertagt werden. Sie werden leichter, wenn Ziel, Haltung und erster Satz geklärt sind.

Konkrete Formulierungen finden Sie im Beitrag «Schwierige Gespräche führen: 5 Sätze, die deeskalieren».

 

 

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✅ Ihr persönlicher September-Check

Nehmen Sie sich zehn Minuten Zeit und betrachten Sie Ihre aktuelle Arbeitssituation:

  • Welche der fünf Stressfallen kenne ich besonders gut?
  • Woran merke ich frühzeitig, dass meine Belastung steigt?
  • Welche Aufgabe oder Verantwortung könnte ich abgeben?
  • Wo braucht es eine klarere Grenze?
  • Welche kleine Veränderung kann ich bereits morgen umsetzen?

 

Wählen Sie bewusst nur einen Punkt aus.

Resilienz entsteht selten durch grosse Vorsätze.
Sie wächst durch kleine, konsequente Entscheidungen im Alltag.

 

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Resiliente Führung beginnt nicht erst in der Krise

Gerade die geschäftige Zeit nach der Sommerpause bietet eine gute Gelegenheit, die eigenen Arbeits- und Führungsgewohnheiten zu überprüfen.

Wo handeln Sie bewusst – und wo reagieren Sie nur noch?

Wo tragen Sie Verantwortung – und wo übernehmen Sie zu viel?

Wo sind Sie präsent – und wo lediglich verfügbar?

Diese Fragen sind keine Zeichen von Schwäche. Sie gehören zu einer professionellen Selbstführung.

Vielleicht erkennen Sie sich in einer der beschriebenen Stressfallen wieder. Beobachten Sie diese in den nächsten Tagen, ohne sich dafür zu kritisieren. Entscheiden Sie anschliessend, welcher kleine Schritt Ihnen mehr Klarheit, Ruhe oder Handlungsspielraum verschafft.

 

Benötigen Sie einen vertraulichen Raum, um Ihre aktuelle Führungssituation zu sortieren? Im Leadership Quick Win betrachten wir Ihre konkrete Herausforderung und entwickeln praxistaugliche nächste Schritte.

Wirksame Führung beginnt nicht damit, noch mehr auszuhalten, sondern damit, bewusst zu gestalten.

 

Ihre
Gabriela Heller